Hintergrund & Ausstellung

Die Inszenierung des „Fremden“. Das von acht Tolai bewohnte „Südseedorf“ Tarawai am Karpfenteich im Treptower Park.

Von 1935-1940 sollen sich Schwarze Deutsche in Baströcken mit Tanz- und Gesangseinlagen dem Publikum als treue ehemalige Kolonialuntertanen aus Afrika präsentieren. Für Bruce und die anderen Darsteller*innen bietet das bald schon als Deutsche Afrika-Schau tourende Unternehmen eine der wenigen Möglichkeiten, die Zeit des Nationalsozialismus zu überleben.

100 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft blickt die Ausstellung zurückgeschaut dorthin, wo die Geschichte von „Berlin-Bruce“, wie ihn seine Verwandten in Togo bis heute nennen, beginnt. Sie thematisiert die Erste Deutsche Kolonialausstellung im Treptower Park, die anlässlich der großen Berliner Gewerbeausstellung von 1896 stattfindet, welche ebenfalls Teil der Ausstellung des Museums Treptow ist.

Die Bedeutung der Ersten Deutschen Kolonialausstellung reicht weit über die Bezirksgeschichte von Treptow-Köpenick hinaus. Mit ihrer aufwendigen Inszenierung des deutschen Kolonialstaates unter ‚Anwerbung’ zahlreicher Menschen aus den deutschen Kolonien ist sie ein zentrales Ereignis der globalen Geschichte Berlins. Vor allem aber ist die Kolonialausstellung von herausragender Bedeutung für die Entwicklung der Afrikanischen Community vor Ort.

Deren Anfänge liegen bereits im späten 17. Jahrhundert, als sich das Kurfürstentum Brandenburg am transatlantischen Versklavungshandel beteiligt und die ersten minderjährigen Schwarzen an hiesige Adelshöfe verschleppt. Doch nun kommen 106 Menschen aus verschiedenen Kolonien Deutschlands gleichzeitig in die Stadt.

Ein Erinnerungsfoto. Delegation der Herero und Witbooi-Nama auf der Kolonialausstellung 1896.

Einen Sommer lang werden sie hier im Treptower Park von Millionen Schaulustigen angestarrt. Doch die Kinder, Frauen und Männer aus Afrika und Ozeanien schauen auch aufmerksam zurück. Der Kameruner Kwelle Ndumbe/Bismarck Bell kauft sich dafür eigens ein Opernglas. Sie wehren sich gemeinsam gegen die Zumutungen des Kolonialregimes. Ganz anders als von den Behörden geplant, bleibt eine Reihe von ihnen in Deutschland und verlässt die Kolonien dauerhaft.

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer vom Bezirksmuseum Treptow inititierten und auf Nachhaltigkeit angelegten Kooperation mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und mit Berlin Postkolonial e.V. Bundesweit erstmalig ist dabei eine Dauerausstellung zur Geschichte von Kolonialismus, Rassismus und Widerstand erarbeitet worden, die zu weiteren Recherchen anregt und ergänzt werden kann.

Die Beteiligung Schwarzer Menschen hatte dabei nicht nur Einfluss auf Details, sondern war maßgebend für die Entwicklung des Ausstellungskonzepts. Sie war entscheidend bei der Auswahl der Bilder und der Ausstellungstexte, die das rassistische Vokabular der Kolonialzeit vermeiden oder apostrophieren.